
Foto von Mathias Heinrich
Machen wir uns bitte folgendes bewusst: Der Tag hat 24 Stunden, davon schlafen wir zwischen 6 und 8 Stunden. Die verbleibende Zeit teilt sich zwischen Familie/Hobbies/Freunden und Beruf auf. Damit will ich sagen, dass wir einen großen Teil des Tages (egal ob online oder onsite) mit Kolleg:innen verbringen, unserem beruflichen Team. Wenn dem so ist, dann macht es ganz sicher Sinn, mal darüber nachzudenken (die Schwaben sagen ja gemeinhin „hirnen“), was getan werden kann, um einen großen Teil des Tages in guter Stimmung und förderlicher Umgebung des Teams zu verbringen oder?
Warum Werte die Grundlage sind
Eine aus meiner Sicht dafür wichtige Grundlage sind gemeinsame Werte, die (unabhängig von den vorgegebenen Zielen des Unternehmens) die moralischen Leitplanken bzw. Leitgedanken der gemeinsamen Arbeit repräsentieren. Diese Werte sollten in der Tat gemeinsam erarbeitet werden, damit alle Mitglieder des Teams auch dahinter stehen und sich damit identifizieren – und das nicht nur auf dem Papier.
Welche Beispielwerte sind gemeint
Was meine ich konkret damit? Nun hier ein paar Beispiele für Werte, die sich ein Team gemeinsam geben kann
- Gegenseitiges Vertrauen
Vertrauen ist die Basis von allem. Vertrauen ist absolut. Ich vertraue Menschen oder ich vertraue ihnen nicht. Halbes Vertrauen gibt es nicht, absolutes Vertrauen gibt gegenseitige Sicherheit - Übernahme von Verantwortung
In jedem Team gibt es eine Arbeitsteilung. In Papierform als Arbeitsplatzbeschreibung oder praktisch gelebt durch einlaufende Aufgaben. Die Übernahme von Verantwortung bedeutet, das Silodenken (die/der Andere wird`s schon richten) zu überwinden und eher zu überlegen, wie Aufgaben zielorientiert abgearbeitet werden können - Mut zum Anpacken
Wer sich bewegt, macht Fehler. Fehler zu machen, bedeutet aber nicht, gescheitert zu sein, sondern gescheiter geworden zu sein (bitte zweimal lesen). Es geht um den Lerneffekt aus Fehlern und nicht darum, fehlerfrei zu bleiben. Fehlerkultur und -toleranz sind die Basis, mutig Entscheidungen zu treffen und in die Umsetzung zu gehen - Respekt den Anderen gegenüber
Fehler zuzulassen und nicht mit dem Finger auf Andere zu zeigen, hat ganz viel mit gegenseitiger Wertschätzung zu tun. Machen wir uns bitte deutlich, dass wir das zurückbekommen, was wir austeilen und was wir vorleben. Haben wir also das Gefühl, im Team nicht respektiert zu werden, dann mag es an der einen oder anderen Stelle vielleicht auch an unserem Umgang mit Menschen und Situationen liegen - Ehrlichkeit und Transparenz
„Politische“ Entscheidungen (ausgekungelt und intransparent) sind der Tod eines jeden Teams. Sie führen automatisch zu Lagerbildung, Verschwiegenheit und gegenseitigem Misstrauen. Umso wichtiger sind grad bei schwierigen Entscheidungen maximal transparente Alternativen und klare Regeln für die Herleitung von Ergebnissen – idealerweise (und nicht immer möglich) unter Beteiligung des Teams
Wer ist für die Umsetzung verantwortlich?
Wer ist nun dafür verantwortlich, diese und andere Werte gemeinsam zu erarbeiten, mit Beispielen zu versehen und darauf hinzuwirken, dass sie nicht nur als Papiertiger an der Wand hängen? Nun, das sind die Teamleiter, die Führungskräfte, die für die Menschen im Team Verantwortlichen.
Es wäre nun ein Leichtes, die KI zu befragen, welche 15 Werte sich ein Team geben soll, diese Liste dann beim demnächst anstehenden Teamevent zu verkünden und darauf zu hoffen, dass sich alle dran halten. Erfahrungsgemäß passiert das Gegenteil nach dem Motto „Chef hatte mal wieder Langeweile und die KI befragt …“
Erst das gemeinsame Erarbeiten und die Bereitschaft des Teams, diese Werte auch zu befolgen, zu leben und auf dieser Basis zu arbeiten, führt zur gewünschten Nachhaltigkeit. Idealerweise unterschreiben alle Team-Mitglieder ein solch gemeinsam erstelltes Papier. Dann hat die Führungskraft zumindest die „moralische Keule“, wenn sich ein Team-Mitglied anschließend außerhalb der Werte bewegt, den Appell loszuwerden, sich doch bitte wieder innerhalb des Wertekanons zu bewegen.
Gesellschaften brauchen Gesetze, damit die Mitglieder der Gesellschaften möglichst gut miteinander umgehen. Teams brauchen Regeln für das Tagesgeschäft im Unternehmen und mit Werten ein gemeines Verständnis davon, wie sie gut miteinander umgehen wollen. Und das immerhin die meiste Zeit des Tages.
Lies dazu auch folgende Blog-Artikel:
- #77 Was tun mit Mitarbeitenden, die im Team stören, ihre Ziele aber erreichen?
- #95 Wie umgehen bei Streit im Team?
- #120 Wie sorge ich als Führungskraft garantiert für Missstimmung im Team?
- #199 Wie forme ich eine homogenes Team mit verschiedenen Stärken?
Hier noch das passende Zitat eines Beljean – Seminarteilnehmers:
Das Seminar hat mir viele praktische Anregungen für meinen Umgang mit Menschen gegeben. Ich habe neue Impulse bekommen und Bekanntes weiter vertiefen können.
Ich finde das Seminar so gut wie es ist und habe sowohl beruflich als auch für mich
privat viel gelernt.
Dr. med. Arvid Schäfer, Facharzt für Arbeitsmedizin


